THE NEW NORMAL (2017)

 

 

Ausgangspunkt für die Arbeit „THE NEW NORMAL“ ist die Beobachtung einer Situation im Freibad, in der Jugendliche mit Kondomen überzogene Smartphones im Wasser bedienen.

 

Daraus resultiert letztlich eine Recherche, welche sich auf die Analyse und Gegenüberstellung von Werbekampagnen führender Technologie-Konzerne von 2007 bis 2017 konzentriert. Die dargestellte Veränderung der Wechselwirkung zwischen Menschen und ihren alltäglichen Helfern steht dabei im Fokus.

 

One generation´s impossible is the next one´s normal“, lautet ein Slogan der aktuellen Werbeoffensive der Samsung Galaxy S8 Reihe. In Kombination mit futuristischen Aufnahmen von Kleinkindern, die unter Wasser mit dem Smartphone spielen oder mit Augmented Reality Dinosauriern durch karge Landschaften rennen, suggeriert uns der südkoreanische Technologiekonzern Samsung mit jedem Spot eine immer wieder neue Ära des Fortschritts und erweckt das Gefühl, ohne das umworbene Gerät, genau diesem hinterher zu hinken. In aktuellen Werbespots für Mobiltelefone ist Wasser ein immer wiederkehrendes Medium, das „Fluide“ ein Sinnbild für die flexible, permanent in Bewegung stehende Gesellschaft.

 

Die Vernetzung zu jeder Zeit, an jedem Ort ist eine Vorstellung, welche sich die Jugendlichen aus der anfänglich beschriebenen Beobachtung durch einen Lifehack ermöglichen.
Mit der neusten Technologie wird diese Vorstellung eine neue Normalität.

 

 

 

Auf einem, in ein Metallgestell eingebetteten, Monitor sind Smartphones zu sehen, welche auf einer tiefschwarzen Wasseroberfläche treiben. Die Bildschirme strahlen weiß. Vor dem Monitor steht eine geflieste Bank, welche jede halbe Stunde für 5 Minuten einen feinen Chlorwasser-Nebel ausstößt und sich damit selbst desinfiziert. Der dabei entstehende Chlorwasserfilm zieht sich über Bank und Boden und ist ein Verweis auf eine hygienische, künstliche Umgebung. Das als Sitzbank konzipierte Objekt kann nur noch mit Einschränkung genutzt werden. Zudem erweitert der assoziative Chlorgeruch die Rezeption. Betrachter*innen werden dadurch subtil einbezogen. Das Gefühl einer sterilen Atmosphäre wird durch weiße Fliesen vertieft, welche ihre Analogie in den strahlenden, mit Wassertropfen besetzten, Smartphones finden. Erzeugt wird ein Zusammenspiel einer entschleunigten meditativen Atmosphäre und einer erbarmungslosen Reinheit. Das Weiß der Smartphone-Displays und die anorganische Umgebung, sowie die Autonomie der Objekte werfen die Frage nach Existenz und Verortung der eigenen realen Identität in der digitalisierten Welt einer neuen Normalität auf.

 


Cover, Extended (2017)

 

Ein Projekt mit Bettina Allamoda und der Klasse für Installation und Raum der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.

Cover, extended hinterfragt und thematisiert die verkleidende Funktion von Architektur und Körpern hinsichtlich Eventisierung, Aufmerksamkeitsökonomien, Wettbewerb, akademischem Hochschulbetrieb und Quasistrukturen. Verschlüsselung, Tarnung und post (digitale) Kunst… Wie können dabei Grenzen erweitert, Barrieren durchbrochen und Hindernisse überwunden oder produktiv überschritten werden? Wie sind Änderungen herbeizuführen? Es geht um Verkleidungen, darum, wie weit eine Rolle trägt, wenn man sie trägt.

Christian Holzes Arbeit bezieht sich dabei gleichermaßen auf den Klassenraum der Klasse für Installation und Raum und den öffentlichen Teil der Hochschule.
Holzes Arbeit kombieniert nachgebildetet Asphaltbrocken und auf Leinwand gedruckte Rendergrafiken. Die Bilder CC 034m und CC 037m stellen hierbei die Grundsetzung des skulpturales Raum-, Ausstellungs- und Displaykonzepts von Bettina Alamoda dar und erweitern die Grenze des Klassenraums in das gesamte Hochschulgebäude. Die falschen Asphaltbrocken nehmen für Ihr eigentliches Gewicht untypische Positionen ein und stehen im Kontrast zur erhabenen Anmutung der, durch die Ästhetik der Werbeindustrie geprägten, Drucke.


Carrara Studies (2016)

 

Seit der römischen Republik wird in den Steinbrüchen von Carrara Marmor für Städte, Paläste, Denkmäler und Kunstwerke abgebaut. Der Stein erlangte vollendete Berühmtheit durch Michelangelo di Lodovico Buonarroti Simoni, der Wochen in den Marmorbrüchen auf der Suche nach den geeignetsten Blöcken verbrachte. Christian Holze unternahm in Vorbereitung auf seine Ausstellung „Carrara Studies“ mehrere intensive Reisen in die apuanischen Berge, wobei er den Spuren Michelanglos, den Empfehlungen auf TripAdvisor und den Geo-Diensten von Google folgte. Das Prinzip der virtuellen Reise erlaubte ihm seine Steinbruch-Recherchen direkt im Atelier umzusetzen. Das Zusammenspiel von virtuellen und traditionell bildhauerischen Verfahren ist in wesentliches Merkmal von Christian Holzes Arbeitsmethode. Auch für „Carrara Studies“ entstanden Modelle und/oder ganze Arbeiten mit Unterstützung von 3D-Programmen, die es ihm ermöglichen tonnenschweres Material zu verformen, einen leichten Stoff fallen zu lassen, diese virtuellen Verformungen jederzeit zu beeinflussen und sie in Folge in physische Objekte zu übersetzen. In dieser Beziehung sind die Objekte in der Ausstellung im doppelten Sinne virtuell, da sie die Spuren der Bildschirmreise nach Carrara, als auch solche der digitalen Post-Produktion in sich tragen. Interessanterweise sind diese originellen und sehr spezifischen selbstgewählten Produktionsbedingungen nur eine Fußnote in Christian Holzes Einzelausstellung. Vielmehr zeigen die nun zu sehenden studienhaften Objekte von Faltenwürfen und Säulen gleichermaßen Christian Holzes Zuneigung aber auch eine gewisse Distanz zum jeweiligen Objekt. Zum einen sind sie wohl Ausdruck einer grundständigen Einstellung zum handgemachten werkbezogenen Arbeiten. Zum anderen benutzt er fast ausschließlich günstige Materialien für seine Wandarbeiten und Skulpturen. Sie offenbaren Christian Holzes Lust am Spiel mit Oberflächen, Wertigkeiten und Täuschungen. „Carrara Studies“ ist für den Bildhauer Christian Holze zunächst ein Sehnsuchts- und Ursprungsort mitsamt seinen kunsthistorischen Implikationen. Indem Christian Holze unter seinen Bedingungen nach Carrara reist berührt er darüber hinaus die Geschichte der Transformation des Sehens von der Antike bis zu Google Glass.


Konspiration – welche Konspiration? (2015)

 

Konspirationen gelten als geheimnisvoll und sublim, als absichtlich im Verborgenen gehaltene Vorgänge mit (zunächst) verdeckten Zielen. Sie finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit jederzeit und überall statt – so zumindest mutmaßen wir. Die Ausstellung zeigt neu produzierte Arbeiten von Studierenden und jungen Absolventen der beiden Kunsthochschulen. Siebzehn Künstlerinnen und Künstler aus Frankreich und Deutschland nähern sich – auch jenseits der aktuellen Enthüllungen um die Aktivitäten von Geheimdiensten – mit verschiedenen Medien und Methoden der Thematik der Konspiration.

 

Ein internationales Kooperations- und Ausstellungsprojekt der Klasse für Installation und Raum der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (Prof. Joachim Blank/Fabian Bechtle) und Absolventen der Kunsthochschule (ENSBA) Lyon (Prof. Philippe Durand/Sébastien Leseigneur).